Arboristik - Schadorganismen

Baumpflege  |  Nachrichten  |  Produkte  |  Schadorganismen  |  Wissen  |  Recht

 

 

Schwammspinner-Massenvermehrung in Bayern

Eichenwälder werden vor Fraß geschützt - Waldökologische Forschung wird intensiviert


Raupen des Schwammspinners (Lymantria dispar). Foto: Karla Salp, Washington State Department of Agriculture, Bugwood.org, CC BY 3.0 US
Raupen des Schwammspinners (Lymantria dispar).
Foto: Karla Salp, Washington State Department of Agriculture, Bugwood.org, CC BY 3.0 US


(14.5.2019) Aktuell durchläuft diese Insektenart nach den Untersuchungen der Bayerischen Landesan-

stalt für Wald und Forstwirtschaft eine derartige Massenvermehrung, dass mit Kahlfraß, der das Abster-

ben der Eichen erwarten lässt, zu rechnen ist. Deshalb ist eine Behandlung zum Schutz der Wälder erfor-

derlich. Für den Naturschutz besonders wertvolle Waldflächen, in denen seltene und geschützte Arten vorkommen, werden von der Behandlung ausgenommen. Zum Einsatz kommt das selektiv wirkende Pflanzenschutzmittel Mimic, das als Häutungsbeschleuniger wirkt. Es kann GPS-gestützt punktgenau mit Hubschraubern auf die zu behandelnden Waldflächen ausgebracht werden.

 

Schwammspinner Falter
Schwammspinner (Lymantria dispar). Links: männlich rechts: weiblich.
Foto: John Ghent, Bugwood.org, CC BY 3.0 US

Aktuell durchläuft der Schwammspinner in fränkischen Eichenwäldern eine Massenvermehrung auf etwa . 10.000 ha. Intensive Untersuchun-

gen der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft in Zusammenarbeit mit den zuständigen Ämtern für Ernährung, Landwirt-

schaft und Forsten zur Populationsdichte des Schmetterlings, die in den vergangenen 7 Monaten durchgeführt wurden, zeigen, dass auf gut 4.000 ha von den insgesamt gut 100.000 ha Eichenwäldern in Un-

ter und Mittelfranken mit Kahlfraß zu rechnen ist. Dazu wurde die Po-

pulationsdichte in rund 2.800 Suchtrakten ermittelt und die Ergebnisse mit Aufnahmen zur Vitalität der Bestände sowie Untersuchungen zur Vitalität der Schwammspinnerpopulationen zusammengeführt. Im Ein-

vernehmen mit den Waldbesitzern und den Naturschutzbehörden hat die Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft nun 1.600 ha Eichen-

wald identifiziert, die mit Pflanzenschutzmitteln behandelt werden. Die Behandlungsfläche besteht aus insgesamt 159 Teilflächen mit einer mittleren Größe von 12 ha. Etwa ¾ der Teilflächen weisen eine Fläche von weniger als 14 ha auf. Es handelt sich damit nicht um einen großflächigen Pflanzenschutzmitteleinsatz, sondern vielmehr um den gezielten Einsatz in einzelnen ausgewählten Eichenbeständen.

 

Dazu wurden die pflanzenschutzrechtlichen Bestimmungen und naturschutzfachlichen Schutzgüter umfänglich berücksichtigt. Besonderes Augenmerk wurde darauf gelegt, dass die als Lebensraum vieler Tier- und Pflanzen-

arten wertvollen Eichenwälder erhalten werden. In einem aufwendigen Abwägungsprozess aller Schutzgüter wurde letztlich mehr als 50 % der gefährdeten Fläche aus der Behandlungskulisse entnommen.

 

Der Schwammspinner (Lymantria dispar) ist ein an Eichen und anderen Laubbaumarten lebender Schmetterling. Massenvermehrungen dieser Art, die durch den Klimawandel begünstigt wird, können zu einem kompletten Fraß aller Blätter (Kahlfraß) eines Eichenbestandes führen. Die Raupen durchlaufen während ihrer Entwicklung, die witterungsabhängig 6 - 12 Wochen (von April bis Ende Juni) dauert, bis zu sechs Larvenstadien. Eine Raupe vernichtet dabei etwa 1 m² Blattoberfläche. Der Blattfraß reduziert die Vitalität der Eiche maßgeblich und kann zum Absterben befallener Bäume führen. Ziel des Pflanzenschutzmitteleinsatzes ist es, Eichenbestände vor kompletten Fraß zu bewahren und lokal sehr hohe Dichten der Schwammspinnerpopulation abzusenken. Hierbei steht die Erhaltung der Eichenwälder als Lebensraum im Vordergrund.

 

Mimic ist ein Pflanzenschutzmittel, das vor allem im Obst- und Weinbau gegen Schmetterlingsraupen eingesetzt wird. Für den Einsatz im Wald und die Ausbringung mit Luftfahrzeugen wurde es von den zuständigen Bundes-

oberbehörden nach Artikel 51 VO (EG) Nr. 1107/2009 zugelassen.Mimic muss als Fraßmittel von den Raupen aktiv aufgenommen werden und wirkt dann als Häutungsbeschleuniger. Nach dem Fraß kommt es unmittelbar zum Fraßstopp, dann wird der Häutungsprozess eingeleitet und die Raupen verenden. Andere Arten, die nicht an Blättern fressen, werden durch das Mittel nicht beeinträchtigt.


Der Pflanzenschutzmitteleinsatz wird durch ein gemeinsames Forschungsprojekt der TU München, der Universi-

tät Würzburg und der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft begleitet, das von der bayerisch-

en Forstverwaltung finanziert wird. Im Rahmen dieses Projektes werden zusätzlich 314 ha (24 Teilflächen) mit dem Pflanzenschutzmittel Mimic behandelt. Ziel dieses Forschungsprojektes ist es, eine breitere Wissensbasis zu schaffen, um die Risikoabschätzung bei künftigen Ausbruch des Schwammspinners zu verbessern. Die verschie-

denen Handlungsoptionen (Kahlfraß, Behandlung) werden dabei eingehend auf ihre Auswirkungen auf den Eichenbestand und seine Lebewesen untersucht.
(Dirk Schmechel, LWF)


Weitere Informationen

Schwammspinner-Massenvermehrung in Franken – LWF aktuell 121
Schwammspinner - LWF-Faltblatt (pdf 1,7 MB)


 

zurück zur Übersicht oder zur Startseite

 


2003 - 2019 - arboristik.de - All rights reserved

Schwammspinner (Lymantria dispar). Links: männlich rechts: weiblich