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Großer Schaden durch kleine Fliege

Sanddorn - „Vitamin C“ des Nordens vor dem Kollaps


Sanddornfruchtfliege (Rhagoletis batava)
Seit einigen Jahren verursacht die Sanddornfruchtfliege (Rhagoletis batava) zum Teil massive Ertragsausfälle.
Foto: Karl-Heinz Kuhnke, Gartenbaukompetenzzentrum Gülzow, Sanddornfruchtfliege, CC BY-SA 4.0

 

(28.9.2019) Sanddorn, das „Vitamin C des Nordens“, wird in Brandenburg derzeit auf 370 Hektar ange-

baut und ist somit nach Apfel und Süßkirsche eine bedeutende Obstart. Davon werden 90 Prozent der Sanddornflächen im ökologischen Anbau bewirtschaftet. Der Sanddorn in Brandenburg ist durch die Sanddornfruchtfliege stark bedroht.

 

Die Sanddornfruchtfliege, eine Bohrfliege mit dem wissenschaftlichen Namen Rhagoletis batava, bohrt die unrei-

fen Sanddornfrüchte an und legt ihre Eier darin ab. Nach dem Madenfraß vertrocknen die Früchte. Die Puppen überwintern im Boden. Die Hauptflugzeit der Art liegt in der zweiten Juni- und der ersten Julihälfte. Die im Boden überwinternden Puppen schlüpfen im Juni, anschließend legen die Weibchen mit ihrem Legestachel Eier an den Sanddornfrüchten ab, aus denen nach kurzer Zeit Larven schlüpfen.

Bis zum Auftreten der Art waren in den deutschen Sanddornkulturen, die etwa 671 Hektar Anbaufläche in Bran-

denburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern umfassen, keine nennenswerten Schäden durch Schädlinge bekannt. Seit 2013 werden erhebliche Ernteschäden gemeldet.
Für den ökologischen und auch für den integrierten Sanddornanbau müssen neue Bekämpfungsstrategien gefunden werden. Ohne eine Praxis und zeitnahe Bekämpfungsstrategie ist die Zukunft des Sanddornanbaus in Norddeutschland stark gefährdet.

Mit der Übergabe des Zuwendungsbescheids im August 2018 konnte das Projekt ↗ MoPlaSa der ↗ Europäi-

schen Innovationspartnerschaft (EIP) zum biologischen Schutz von Sanddorn in Brandenburg beginnen.

MoPlaSa steht für Modulare Pflanzenschutzstrategie zur Bekämpfung der Sanddornfruchtfliege und ist ein Gar-

tenbauprojekt. MoPlaSa entwickelt seit einem Jahr eine Strategie zur Bekämpfung der Sanddornfruchtfliege. In Modulen werden verschiedene nicht-chemische Einzelmaßnahmen zu einer Gesamtstrategie verbunden. Diese Module ermögichen den Obstbauern in der Praxis eine betriebsangepasste Bekämpfung.
Wie aus einem Baukasten können dann mechanische Bodenbearbeitung, Barrieren, Makro- und Mikroorganis-

men, Nützlinge, insektenpathogene Pilze, Betrachtung der Sortenwahl und mobile Hühnerhaltung gewählt wer-

den. Das Projekt bringt neue Forschungsergebnisse und trägt zum Wissenstransfer für Sanddornbauern bei.

EIP in Brandenburg


Die EIP-Projekte werden von Praktikern, Wissenschaftlern, Beratern, Unternehmen sowie Verbänden und Vereinen in Netzwerken umgesetzt. Für das Programm werden von der Europäischen Kommission im Rahmen des Agrarfonds ELER Fördermittel zur Verfügung gestellt, um Forschung und Wertschöpfung in der Agrar- und Ernährungswirtschaft zu unterstützen.
Dafür stehen im Land Brandenburg bis 2020 25,6 Millionen Euro zur Verfügung. Organisatorisch umgesetzt wird die Arbeit, indem Landwirte, Wissenschaftler und andere Akteure Operationelle Gruppen gründen.
Die Landwirte übernehmen dabei eine Schlüsselrolle: Ihre Probleme bestimmen die Forschungsagenda. Sie sind gleichzeitig Akteure im Prozess der Lösungsfindung und auch die ersten Nutzer der zu erwartenden Ergebnisse.
(red)




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