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Baumpflege ist aktiver Natur- und Artenschutz

Geprüfte Baumpfleger erhalten durch Baumpflege vielen Tieren ihren Lebensraum

Ohne Bäume keine Eichhörnchen! Die lustigen Gesellen bauen ihre Kobel gerne in Höhlungen im Stamm. Foto: GMH/Fachverband geprüfter Baumpfleger
Foto: GMH/Fachverband geprüfter Baumpfleger


(25.6.2019) Empörtes Keckern, ein paar Mal wird demonstrativ den Stamm hinab- und wieder hinaufge-

flitzt, dann entscheidet sich das Eichhörnchen, doch lieber auf die benachbarte Buche zu wechseln. „Noch lauter wird es, wenn Eichelhäher in der Nähe sind. Die werden nicht umsonst die „Wächter des Waldes“ genannt und schimpfen aus voller Kehle, sobald wir einen Baum per Hubarbeitsbühne oder Seilklettertechnik erkunden“, schmunzelt Jörg Cremer.


Siebenschläfer
Einblicke: Bilche wie der Siebenschläfer sind nachtaktiv und verstecken sich tagsüber gerne in Baumhöhlen. Hier findet auch ihr Nachwuchs ein gemütliches Nest.
Foto: GMH/Fachverband geprüfter Baumpfleger
Sympathieträger
Sympathieträger: Bäume ziehen unzählige Insekten an. Davon profitiert das Rotkehlchen ebenso wie von knorrigen Wurzeln und niedrigen Baumhöhlungen: Sie dienen dem Nischenbrüter zum Nestbau.
Foto: GMH/Fachverband geprüfter Baumpfleger
Denkmalpflege
Denkmalpflege: In historischen Parkanlagen stehen viele wertvolle alte Bäume. Sie sind sowohl aus denkmalpflegerischer Sicht als auch im Hinblick auf den Natur- und Artenschutz besonders erhaltenswert und bedürfen professioneller Pflege.
Foto: GMH/Fachverband geprüfter Baumpfleger
Mini-Teich
Mini-Teich: Solche wassergefüllten Baumhöhlungen werden augenzwinkernd auch „Hasenklo“ genannt, stellen aber ein komplettes Biotop dar.
Foto: GMH/Fachverband geprüfter Baumpfleger
Wächter des Waldes
Wächter des Waldes: Eichelhäher sind für ihre weithin hörbaren Warnrufe bekannt – und ausgesprochen intelligent.
Foto: GMH/Fachverband geprüfter Baumpfleger
Majestätisch
Majestätisch: Eindrucksvolle Gehölze wie diese ineinander verschlungenen Exemplare der Flügelnuss prägen Landschaft oder Stadtbild, beherbergen unzählige Tiere und verdienen nicht nur durch entsprechende Pflege mehr Respekt.
Foto: GMH/Fachverband geprüfter Baumpfleger

Dass so mancher Baumbewohner ihn misstrauisch beäugt oder sich lauthals über die Störung beschwert, nimmt der Fachagrarwirt für Baumpflege und Baumsanierung nicht weiter krumm. „Die wissen ja nicht, dass wir auf derselben Seite stehen. Genau wie mancher Anwohner erst mal aufgeschreckt ist, wenn er sieht, dass wir uns einem altehrwürdigen Baum mit der Motorsäge nähern. Wir nehmen uns dann die Zeit, um zu erklären, was wir hier eigentlich betreiben: Alte Bäume zu erhalten, ist aktiver Natur- und Artenschutz.“

 

Naturschutz und Verkehrssicherheit im Einklang

 

Der Wert eines Baumes, erklärt der Vorsitzende des Fachver-

bands geprüfter Baumpfleger, steigt mit jedem Lebensjahr und jedem Zentimeter Umfang. Und das nicht nur im Hinblick auf die klimaverbessernden Effekte.

„Eine große Eiche kann theoretisch bis zu 1.000 verschiedene Tierarten beherbergen. Vor allem Insekten und Spinnen, aber auch Kleinsäuger wie Fledermäuse oder Bilche, und natürlich viele Vogelarten. Selbst der Storch baut seinen Horst gerne in die ausladenden Eichenäste.“
Höhlungen und Risse im Holz, wie sie insbesondere bei alten Bäumen vorkommen, sind in der Tierwelt sehr begehrt – in jeder Größe: Wo zwei Daumen hineinpassen, findet schon manche Fledermaus Platz. Der Verkehrssicherheit tun auch große Hohlräume in vielen Fällen keinen Abbruch, weiß Jörg Cremer. „Selbst ein absterbender Baum mit nahezu völlig hohlem Stamm kann noch jahrelang als Mini-Biotop erhalten bleiben – wenn er fachgerecht gepflegt wird. Mit gezielten Schnittmaßnahmen unterstützen wir alte Bäume dabei, ihre Krone langsam zurückzuziehen, und verhindern so, dass es zu Astbruch kommt oder die Standfestigkeit leidet.“

 

Altersvorsorge für Bäume

 

Gerade im dichtbesiedelten Raum erreichen allerdings immer weniger Bäume das entsprechende Alter. „Gehölzpflanzungen als Straßenbegleitgrün sind überwiegend mangelhaft angelegt – die Normen und Regelwerke werden nicht ausreichend befolgt und an Pflegemaßnahmen, die Erleichterung schaffen könnten, wird gespart. Dadurch wird es künftig weniger alte Bäume geben, aber immer höhere Kosten für Maßnahmen zur Schadensbegrenzung sowie für die häufiger erforderlichen Neupflanzungen.“
Das ist ökologisch wie wirtschaftlich ärgerlich, denn fachge-

recht angelegte Pflanzungen sowie ein regelmäßiger Aufbau- und Erziehungsschnitt in den ersten 15 Standjahren verläng-

ern nicht nur das Leben der Bäume, sondern senken auch die über die gesamte Lebensdauer anfallenden Pflegekosten.
Umso mehr freuen sich Cremer und sein Team, wenn sie Gehölze vom Jugendalter an fachgerecht begleiten und ihnen so langfristig viele Lebensjahre sichern können – ob im kom-

munalen Auftrag, oder wie heute auf einem Privatgrundstück, wo Totholz aus einer stattlichen Rot-Buche entfernt werden soll. Das Eichhörnchen hat sich zwischenzeitlich ebenfalls wieder beruhigt. Vielleicht ahnt es ja doch, dass hier gerade seine persönlicher Gebäudesanierer am Werk sind.

 

Baumschnitt und Fällungen sind ganzjährig möglich


Geprüfte Baumpfleger führen sowohl Schnittmaßnahmen als auch Fällungen ganzjährig durch, was viele Gartenbesitzer überrascht. Das Bundesnaturschutzgesetzt erlaubt ausdrück-

lich schonende Eingriffe sowie Maßnahmen zur Gewährleis-

tung der Verkehrssicherheit. Dabei muss mit besonderer Rücksicht auf geschützte Arten vorgegangen werden – eine Vorgabe, die ganzjährig gilt! (BNatSchG § 39 Abs. 5 und §44 Abs. 1)

 

Alte Bäume: „Fällungen sind seltener nötig als gedacht“


Kann eine Fällung nicht vermieden werden, ist Sorgfalt ange-

bracht, sonst wird es teuer. „Wo immer es möglich ist, erhalten wir einen Baum – sogar ganz besonders, wenn es sich um ein altes Exemplar handelt “, bringt es Jörg Cremer auf den Punkt. Der Vorsitzende des Fachverbands geprüfter Baumpfleger weiß um die Emotionalität beim Thema Baumfällungen – nicht zuletzt hat er seinen Beruf selbst aus seiner Leidenschaft für Bäume gewählt.
Die Chancen für einen Erhalt sind umso höher, je konsequen-

ter die Baumpflege betrieben wurde (im Idealfall alle paar Jah-

re von der Pflanzung an), und wenn die Arbeiten von Spezia-

listen ausgeführt werden. „Unsere Mitglieder im Fachverband geprüfter Baumpfleger arbeiten nahezu täglich am und im Baum und bilden sich kontinuierlich fort. Übrigens auch in Rechtsfragen, denn mit Auftragsvergabe geht auch die rechtliche Verantwortung für die Pflegemaßnahmen oder eine Fällung an uns über.“ Gut zu wissen, denn die natur- und artenschutzrechtlichen Auflagen insbesondere für eine Fällung sind hoch und Fehler können teuer werden.


Gefällt wird ganzjährig, aber unter strengen Auflagen


„Schon ein versehentlich zerstörter Eichhörnchenkobel kann mit bis zu 50.000 Euro zu Buche schlagen. Deshalb untersu-

chen wir den Baum vor jeder Maßnahme intensiv. Mitunter nutzen wir auch Drohnen, Endoskopkameras, Infrarotkameras oder Fledermausdetektoren, damit wir wirklich nichts übersehen und stimmen uns gegebenenfalls mit den zuständigen Behörden ab.“
Pflegemaßnahmen werden dann auf etwaige entdeckte Bewohner abgestimmt, damit sie möglichst wenig gestört werden. Eine Fällung kann manchmal auch noch etwas verschoben werden. Ist das aus Gründen der Verkehrs-

sicherheit jedoch nicht möglich, werden betroffene Tiere so schonend wie möglich umgesiedelt – und natürlich die erforderlichen Ausgleichsmaßnahmen für den gefällten Baum ergriffen.


Baumpflege: So finden Sie den passenden Betrieb


Der Begriff Baumpfleger ist rechtlich nicht geschützt. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, entscheidet sich für einen Mitgliedsbetrieb des Fachverbands geprüfter Baumpfleger. Er ist der einzige Verband, der nur geprüfte Baumpfleger aufnimmt, und sorgt mit kostengünstigen eigenen Veranstaltungen für eine fundierte Weiterbildung seiner Mitglieder.
Eine Betriebssuche finden Sie unter → www.baumpflegeverband.de

(GMH/FgB)

 

 

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